"Die Innenstadt ist das Gesicht der
Stadt, und dieses Gesicht glänzt nicht
überall... Wir brauchen mehr Raum für
Begegnung in den Innenstädten, soziale
Einrichtungen, mehr Wohnungen und
mehr Arbeiten."
Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer  
des Städtetages
 
"In der Altstadt sieht's ja aus wie früher beim Honecker - lauter Schrott-Immobilien!"
"Da haste mal recht, du glotzender Volltrottel!"
O wie verführerisch oder: Die Musik spielt wieder in der Mitte (Teil 2)
Sanierungs(un-)fälle im Steinweg: So geht's (rechts) und so eher nicht (links). Am linken Haus stört nicht nur die unpassende Farbe, sondern auch das unpassende Trompe-l´oeil (von den Mülltonnen ganz zu schweigen).
"An der falschen Tür hab ich mir 'ne Beule geholt...!"
Motzki, völlig neu geföhnt
"Reden im Konjunktiv macht hässlich, Freunde!" Homunculi
© 2009-2020 Wolfgang Broemser
"Mua muahaha XXL hahamuaa!"
Emoji-Sprache für: "Du verbeulter XXL-Trottel!"
Ohne Eigenkapital keine Hilfe

Natürlich sind staatliche Sanierungsprogramme nur ein Tropfen auf den heißen Stein.     
Auch fördern sie bei Hausbesitzern nicht unbedingt das Gespür für Baukultur. Doch das
Hauptproblem sind die Sanierungen, die unterbleiben, weil die Eigentümer sie sich nicht
leisten können. Ohne eigenes Geld keine Zuschüsse - daher tut sich in der westlichen
(wie zuvor in der östlichen) Altstadt leider zu wenig.
In Andernach steht derzeit, wie in vielen Städten, die Innenentwicklung auf der Agenda,
die Nachverdichtung des Zentrums mit neugebauten Wohnungen. Frühe Pioniere dieser
Entwicklung waren die Einfamilien-Giebelhäuser in der Oberen Wallstraße. Häufig haben
sich die Innenstädte im Zug der Funktionsentmischung zu reinen Büro- und Handels-
zonen gewandelt, weil in ihnen Wohnungen gemäß der Baunutzungsverordnung von 
1962 nur ausnahmsweise zulässig waren. Neue Wohnhäuser im Stadtzentrum können  
die Innenstadt wieder beleben und zu einem Ort der Begegnung machen. Auf die Sub-
urbanisierung soll die Reurbanisierung folgen.
Platz schreit nach Neugestaltung

Neue Wohnungen sind auf dem Areal der abgerissenen Malzfabrik Weissheimer möglich,
aber wegen der dort ausgegrabenen archäologischen Funde nur entlang der Hochstraße,
vis-à-vis dem Kolpinghaus. Als zusätzliche Fläche käme der Parkplatz am Runden Turm in
Frage. Laut Andernachs Oberbürgermeister "schreit" dieser Ort geradezu nach einer
neuen Gestaltung. Die Stadt will den Parkplatz dort abschaffen und stattdessen auf dem
ehemaligen Gelände der Familie Schumacher ein Parkdeck errichten. Damit wäre der
Weg frei für eine Bebauung mit Wohnhäusern. Doch sollte durch sie der Runde Turm,  
ein Denkmal von nationaler Bedeutung, auf keinen Fall zugebaut werden.

Bisher hat der Stadtrat über zwei Varianten für eine Bebauung an diesem Ort debattiert.
Die erste schlägt den Bau von Stadthäusern in L-Form parallel zur Hoch- und Kölner
Straße vor. Das denkmalgeschützte Haus Hochstraße Nr. 11, das ehemalige Bürger-
meisterhaus, würde abgerissen. Die andere Variante sieht Häuser entlang der Stadtmauer,
die parallel zur Kölner Straße verläuft, vor. Entlang der Hochstraße würde nur bis zum
Haus Nr. 11 gebaut; dieses bliebe erhalten. Zusätzlich könnten zwei Hauseinheiten an 
der Stadtmauer parallel zur Konrad-Adenauer-Allee entstehen.
"Die bisherige Einordnung in reine
Wohngebiete oder Mischgebiete mit
eingeschränkter Verwendung der
Nutzungsarten ist nicht mehr zeit-
gemäß. Deutschlands Städte müssen
die Möglichkeit haben, bezahlbares
Wohnen, Arbeiten und Einkaufen in
einem Quartier anzubieten."
Andreas Mattner, Präsident des
Zentralen Immobilienausschusses
Lost Places hinterm Geysir-Zentrum

Ein richtiger Skandal und eine Verschandelung des Stadtbilds sind die seit Jahren leer
stehenden und dem Verfall preisgegebenen Häuser. Die abschreckende Wirkung dieser
Problem-Immobilien vor allem in der Mauer- und der Rheinstraße ist sicher der Haupt-
grund für die von einheimischen Geschäftsleuten beklagte mangelnde Durchlässigkeit
zwischen Rheinanlagen und Altstadt, dafür, dass Touristen sich nicht ins Stadtinnere
vorwagen. Die Eigentümer der Geisterhäuser torpedieren alle Bemühungen der Ver-
waltung, einen attraktiven Rundlauf durch die Altstadt anzubieten. Warum überlassen sie
ihre Häuser sich selbst? Wahrscheinlich, weil sie nicht wissen, wie man sie optimal nutzen
soll - ins Erdgeschoss passen Läden oder Gastronomie, aber was gehört in die oberen
Etagen? Büros und frei finanzierte Wohnungen sind problematisch wegen des schlech- 
ten Rufs der Rheinstraße mit ihren Kneipen und Spielhallen und wegen des nicht vor-
handenen Parkraums. Außerdem lassen sich in der Altstadt nur schwer hohe Mieten
erzielen, die eine Sanierung rentabel machten. Trotzdem entschuldigt das nicht die
Inaktivität der Eigentümer. Sie schadet allen, ihnen selbst und der Stadt.*
Nicht auf dem Boden des Grundgesetzes

Der Leerstand von Häusern verstößt gegen das Grundgesetz - Sozialverpflichtung des
Eigentums - und gegen das Zweckentfremdungsverbot. Bundesländer wie Hamburg oder
Berlin haben Gesetze erlassen, die Strafzahlungen vorsehen oder gar eine treuhänderische
Sanierung der beschlagnahmten Immobilie. Auch der rheinland-pfälzische Landtag berät
zurzeit ein solches Gesetz, das allerdings nur in Städten mit angespanntem Wohnungs-
markt wie Mainz oder Trier greifen soll.

Werden Häuser jahrelang nicht mehr genutzt, entfällt der Bestandsschutz. Dann kann    
die Kommune sie grundsätzlich abreißen lassen. Doch damit ist nichts gewonnen, weil eine
Brache nicht schöner aussieht und das Grundstück weiter dem Privateigentürmer gehört.
Auch wird das soziale Klima belastet.

Andernachs Verwaltung müsste auf andere Art aktiv werden. Sie müsste die versifften
Objekte in der Altstadt zu einem günstigen Preis erwerben, abreißen oder umbauen und
in ihnen Sozialwohnungen schaffen. Den Eigentümern würde noch etwas gezahlt und    
das Stadtbild spürbar aufgewertet. Doch die kommunalen Investitionsmittel sind begrenzt
und die Hausbesitzer wohl kaum bereit, ihre Häuser für - aus ihrer Sicht - 'n Appel und
'n Ei zu verhökern...
Der Nikoläuschen vor seinem
maroden Häuschen: Im Schatten
des mittelalterlichen Rheintors steht
Andernachs größte Problem-Immobilie.
Zur Wahrung der Verkehrssicherheit
hat die Stadt die morsche Balkon-
brüstung entfernt und die Statue des
Heiligen ins städtische Museum
gebracht, wo sie saniert wird.
Die Stadt muss wieder innen stattfinden

Die Andernacher Verwaltung hat in den letzten Jahren vermehrt Baugenehmigungen für
Mehrfamilienhäuser in der Innenstadt erteilt. Sie verfolgt damit dasselbe Ziel wie mit der
neuen Stadthausgalerie: die Revitalisierung des Stadtkerns, in den Bewohner und Kunden
zurückgelockt werden sollen. Die neuen Bewohner könnten helfen, den Niedergang des
stationären Handels in Zeiten von Amazon & Co. aufzuhalten. Allerdings ist ihre Zahl    
bisher so gering, dass der Leerstand von Läden durch sie nicht reduziert wurde.
Neues Stadtmuseum am Runden Turm?

Inzwischen verfolgt die Stadtverwaltung ein ganz anderes Konzept: An der Stelle des
Parkplatzes plant sie eine Freilichtbühne, Grünanlagen und den Neubau des Stadt-
museums, dessen jetziges Domizil aus allen Nähten platzt und nicht barrierefrei ist. In
das ehemalige Bürgermeisterhaus sollen nach seiner Sanierung das Kulturamt und die
Wirtschaftsförderungsgesellschaft einziehen; ein moderner Anbau könnte ein Café
aufnehmen. Zwecks Überplanung des gesamten Areals wird ein städtebaulicher
Wettbewerb erwogen. Bei alldem ist zu bedenken, dass die Stadt Schulden hat, trotz
bedeutender Industrieunternehmen finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen kann.    
Da sind Bundes- und Landeszuschüsse essentiell, die dabei helfen, dass Andernach
seine Altstadt sanieren und lebenswerter machen kann.  >> Breaking News
Sanierungsstau in den Rheingassen

Für das Image der Stadt ebenso dringlich wie teure Neubauprojekte ist das Bauen im
Bestand. Viele Häuser befinden sich in einem desolaten Zustand, vor allem in den Gassen,
die zum Rhein führen. Weil sie das Entrée zur Altstadt bilden, ist das auch touristisch  
von Nachteil, erst recht, seit das neue Geysirzentrum so viele neue Gäste anlockt. Der
östliche Teil der Altstadt war bereits Teil des Bund-Länder-Programms "Städtebauliche
Erneuerung", das Städten und privaten Eigentümern bei der Sanierung ihrer Häuser,
Straßen und Plätze hilft. Anschließend wurde der westliche Teil (Kirchstraße, Steinweg) 
in das Programm aufgenommen. Die Stadt hat bereits Mittel aus diesem Topf genutzt, um
das Umfeld des Mariendoms von Parkplätzen zu befreien und das neue Parkdeck an der
Kölner Straße zu errichten.
"Die Stadt Andernach ist seit vielen Jahren ein
Förderschwerpunkt der Städtebauförderung und wird seit 2014
seitens des Landes mit dem Höchstfördersatz unterstützt."
Der Chef der Staatskanzlei Clemens Hoch, der immer mal wieder im Rathaus millionenschwere Förderbescheide übergibt. Dass Hoch gebürtiger Andernacher ist, ist dabei sicher nicht von Nachteil. ;-)
Galerie des Verfalls: Wie umgehen mit investitionsunwilligen Hausbesitzern?
*) Die Untätigkeit der Besitzer stadtbildprägender Häuser ist auch andernorts ein Ärgernis: Ein
Koblenzer Stadtführer klagt darüber, dass das Münzmeisterhaus, einer der wenigen erhaltenen
Barockbauten der Stadt, vergammelt. Weiß auch hier der Eigentümer nicht, wie er sein Gebäude
nutzen soll? Als Auswärtiger kann man sich an dieser Stelle das Romanticum und die Tourist-
Information vorstellen (die öffentliche Hand ist bei Vermietern beliebt!). Im Forum Confluentes 
wirken beide deplatziert, dort könnte der Bürgerservice der Stadt einziehen. Touristen besuchen   
eher den Münzplatz in der Altstadt als den modernen Zentralplatz.