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Ein Berliner Künstler* hat die Fassade der Humboldt-Universität in Berlin mit
Legosteinen saniert. Weil die Römer Farbe liebten -man denke an die Fresken von
Pompeji -,wäre eine Ausbesserung der Andernacher Kastellmauer mit demselben
Werkstein denkbar und durchaus kein Stilbruch. Darauf leg(-o) ich mich mal fest.
Einziger Nachteil: Die Steinchen sind nicht feuerfest. Aber muss sich die Stadt des-
halb mit Händen und Füßen gegen diesen Vorschlag eines von antiker Architektur
begeisterten Bürgers wehren? Wo bleibt die Experimentierfreude, liebe Bäckerjungs  
und Bäckermädels, wo die Lust am alternativen Material? Es muss nicht immer 
Natur- oder Backstein sein, Plastik ist billiger und so schön bunt!
 
"Hey, Leute, wenn ich was Keltisches finde,
werf´ ich einen extragroßen Hügel auf!"
        Andernachs produktivster Maulwurf
Wichtiger Handels- und Flottenstützpunkt

Die Landesarchäologen bilanzieren: "Die neu gewonnenen Erkenntnisse lassen auf eine
große Bedeutung der Stadt Andernach in römischer Zeit nicht nur als Verladeort für Tuff- 
und Basaltsteine schließen, sondern auch als Flottenstützpunkt, der bei der Versorgung  der
Limestruppen und wahrscheinlich auch der Rheinflotte erhebliche Bedeutung besaß."

Für Grabungsleiter Frank Brüninghaus liegt unter Andernachs Pflaster eventuell noch mehr
verborgen: "Wenn wir die Möglichkeit haben, später noch tiefer zu graben, werden wir
vielleicht sogar auf keltische Funde stoßen."

Nach dem Ende der Arbeiten sollen die bedeutendsten Funde überbaut und für die Öffent-
lichkeit zugänglich gemacht werden. Das Stadtmuseum präsentiert jetzt schon kleinere
Grabungsfunde wie Keramikgefäße, Kämme, Nadeln, einen Goldring sowie Zierbleche
römischer Militärgürtel. Die Archäologen fanden über 1000 römische Münzen. Damit lässt
Andernach den Koblenzer Münzplatz (500 römische Münzen) locker hinter sich, ist aber
nicht zu vergleichen mit Trier, wo 1993 sogar ein Schatz von 2650 Aurei entdeckt wurde.
*) Der junge Jan Vormann machte international auf sich aufmerksam, indem er alte, vom Verfall bedrohte
Bauwerke mit Legosteinen ausbesserte. In Berlin "kittete" er Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg 
mit den Steinen. Herr Wowereit, der Regierende, ernannte ihn daraufhin zum umjubelten Ehrenbürger der
Hauptstadt. Und das ist auch gut so (oder, berlinerischer formuliert, "echt dufte, wa?").
Gleich nach dem Abriss der Malzfabrik machten sich Archäologen des Landes Rheinland-
Pfalz über das Gelände her und buddelten Bemerkenswertes aus: vorzüglich erhaltene
Siedlungsreste des römischen Andernach. Bald nach Caesars Rheinübergang 55 v. Chr.
wurden die linksrheinischen Lande ein Teil des Imperium Romanum und blieben es bis    
rund 450 n. Chr. Andernach war in dieser Zeit ein bedeutender Handelsplatz und zeitweise
ein Kastell, in dem römische Truppen die Rheingrenze sicherten.

Die Archäologen konnten nun auf einer Länge von 60 Metern eine zwei Meter mächtige
Kastellmauer vom Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. freilegen. Sie lag unmittelbar vor dem
antiken Hafenbecken. Funde aus diesem Becken belegen, dass ein Rheinarm schon seit dem
1. Jahrhundert n. Chr. als Hafen und Schiffslände genutzt wurde.
Töpferofen und Badetherme

Außerdem entdeckten die Forscher gut erhaltene Teile zweier Gebäude des 1. bis 2. Jahr-
hunderts n. Chr. Sie lagen beiderseits eines Weges und gehörten zu einer dichten Bebauung
im Uferbereich vor dem Hafen. Zu erkennen sind noch die Eingänge der Häuser mit
Bodenplatten, Trittstufen und Türangelsteinen der ehemaligen Torflügel. Ein Töpferofen in
einem Haus deutet auf einen Handwerksbetrieb hin. Die Reste einer später entstandenen
großen Badeanlage ziehen sich über eine Länge von 35 Metern hin. Sie umfasste mindestens
fünf Räume, die mit Wannen und teilweise Fußbodenheizung ausgestattet waren. Im 4. Jahr-
hundert, so die Erkenntnisse der Archäologen, wurde das Bad weitgehend niedergelegt und
ein großer Speicher für Getreide errichtet. Von ihm künden noch elf massive rechteckige
Pfeilerfundamente.
Kastellmauer schützte vor Germanen

Der Speicher diente zur Versorgung der Soldaten, die nach dem Fall des Limes das Kastell
gegen die Germanen verteidigen mussten. Zu diesem Zweck erbauten die Römer die jetzt
freigelegte Kastellmauer aus Bruchsteinen und Tuffquadern, die von West nach Ost über   
das Gelände der ehemaligen Mälzerei verläuft. Sie ist eine der letzten großen Bauten aus
römischer Zeit. Auf den Resten der römischen wurde später die mittelalterliche Stadtmauer
errichtet, die komplett bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts überdauerte; William
Turner malte noch ihren rheinseitigen Teil.
museum-roemervilla.de
strassen-der-roemer.eu
saalburgmuseum.de
apx.lvr.de
colonia3d.de
© 2009-2022 Wolfgang Broemser
Unterm Pflaster liegt der Römerstrand
"Als römischer Soldat hätte ich
bestimmt etwas gerissen!"