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archäologie-mainz.de
limesstrasse.de
limes-in-deutschland.de
www.museum-roemervilla.de
strasse-der-roemer.eu 
saalburgmuseum.de
apx.de 
colonia3d.de
 
Ein Berliner Künstler* hat die Fassade der Humboldt-Universität in Berlin
mit Legosteinen saniert. Da die Römer Farbe liebten - man denke an 
die Fresken von Pompeji -, wäre eine Ausbesserung der Andernacher Kastell-
mauer mit demselben Werkstein denkbar und keineswegs ein Stilbruch.
Darauf leg(-o) ich mich mal fest. Allerdings sind die Steinchen nicht feuer-
fest. Außerdem wehrt sich die Stadt mit Händen und Füßen gegen diesen
Vorschlag eines bauästhetisch engagierten Mitbürgers.
 
Unterm Pflaster liegt der Römerstrand
Foto: Kathleen Waak
"Hey, Leute, wenn ich was Keltisches finde, werf´ ich einen extragroßen Hügel auf!"
           Andernachs produktivster Maulwurf
"Als römischer Soldat hätte ich bestimmt was gerissen!"
                        

© 2009-2018 Wolfgang Broemser


Gleich nach dem Abriss der Malzfabrik machten sich Archäologen des Landes Rheinland-
Pfalz über das Gelände her und buddelten Bemerkenswertes aus: vorzüglich erhaltene
Siedlungsreste des römischen Andernach. Bald nach Caesars Rheinübergang 55 v. Chr.
wurden die linksrheinischen Lande ein Teil des Imperium Romanum und blieben es bis
bis zirka 450 n. Chr. Andernach war in dieser Zeit ein bedeutender Handelsplatz und
zeitweise ein Kastell, in dem römische Truppen die Rheingrenze sicherten.

Die Archäologen konnten nun auf einer Länge von 60 Metern eine zwei Meter mächtige
Kastellmauer vom Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. freilegen. Sie lag unmittelbar vor
dem antiken Hafenbecken. Funde aus diesem Becken belegen, dass ein Rheinarm schon
seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. als Hafen und Schiffslände genutzt wurde.

Töpferofen und Badetherme

Außerdem entdeckten die Forscher gut erhaltene Teile zweier Gebäude des 1. bis 2.
Jahrhunderts n. Chr. Sie lagen beiderseits eines Weges und gehörten zu einer dichten
Bebauung im Uferbereich vor dem Hafen. Zu erkennen sind noch die Eingänge der
Häuser mit Bodenplatten, Trittstufen und Türangelsteinen der ehemaligen Torflügel.    
Ein Töpferofen in einem Haus deutet auf einen Handwerksbetrieb hin. Die Reste einer
später entstandenen großen Badeanlage ziehen sich über eine Länge von 35 Metern hin.
Sie umfasste mindestens fünf Räume, die mit Wannen und teilweise Fußbodenheizung
ausgestattet waren. Im 4. Jahrhundert, so die Erkenntnisse der Archäologen, wurde das
Bad weitgehend niedergelegt und ein großer Speicher für Getreide errichtet. Von ihm
künden noch elf massive rechteckige Pfeilerfundamente.

Kastellmauer schützte vor Germanen

Der Speicher diente zur Versorgung der Soldaten, die nach dem Fall des Limes das
Kastell gegen die Germanen verteidigen mussten. Zu diesem Zweck erbauten die Römer
die jetzt freigelegte Kastellmauer aus Bruchsteinen und Tuffquadern, die von West nach
Ost über das Gelände der ehemaligen Mälzerei verläuft. Sie ist eine der letzten großen
Bauten aus römischer Zeit. Auf den Resten der römischen wurde später die mittel-
alterliche Stadtmauer errichtet (diese überdauerte komplett bis zum ersten Drittel        
des 19. Jahrhunderts; William Turner malte noch ihren rheinseitigen Teil).

Wichtiger Handels- und Flottenstützpunkt

Die Landesarchäologen bilanzieren: "Die neu gewonnenen Erkenntnisse lassen auf eine
große Bedeutung der Stadt Andernach in römischer Zeit nicht nur als Verladeort für Tuff-
und Basaltsteine schließen, sondern auch als Flottenstützpunkt, der bei der Versorgung 
der Limestruppen und wahrscheinlich auch der Rheinflotte erhebliche Bedeutung besaß."

Für Grabungsleiter Frank Brüninghaus liegt unter Andernachs Pflaster eventuell noch
mehr verborgen: "Wenn wir die Möglichkeit haben, später noch tiefer zu graben,
werden wir vielleicht sogar auf keltische Funde stoßen."

Nach dem Ende der Arbeiten sollen die bedeutendsten Funde überbaut und für die
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Stadtmuseum präsentiert jetzt schon
kleinere Grabungsfunde wie Keramik, Geräte aus Knochen und Metall (Kämme, Nadeln
etc.), Münzen, einen Goldring sowie Zierbleche römischer Militärgürtel. Die Archäo-
logen fanden über 1000 römische Münzen. Damit lässt Andernach den Koblenzer   
Münzplatz (500 römische Münzen) locker hinter sich.
*) Der junge Jan Vormann machte international auf sich aufmerksam, indem er alte, vom Verfall   
bedrohte Bauwerke mit Legosteinen ausbesserte. In Berlin "kittete" er u. a. Einschusslöcher aus dem
Zweiten Weltkrieg mit den Steinen. Herr Wowereit (der Regierende) ernannte ihn daraufhin zum
Ehrenbürger der Hauptstadt. Und das ist auch gut so. ;-)