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Ein Berliner Künstler* hat die Fassade der Humboldt-Universität in Berlin mit
Legosteinen saniert. Weil die Römer Farbe liebten -man denke an die Fresken
von Pompeji -, wäre eine Ausbesserung der Andernacher Kastellmauer mit
demselben Werkstein denkbar und keineswegs ein Stilbruch. Darauf leg(-o)   
ich mich mal fest. Allerdings sind die bunten Steinchen nicht feuerfest.        
Außerdem wehrt sich die Stadt mit Händen und Füßen gegen diesen Vorschlag
eines von antiker Architektur begeisterten Mitbürgers. Wo bleibt die
Experimentierfreude, liebe Bäckerjungs und Bäckermädels, wo die Lust an   
der alternativen Konstruktion?
 
Unterm Pflaster liegt der Römerstrand
Foto: Kathleen Waak
"Hey, Leute, wenn ich was Keltisches finde, werf´ ich einen extragroßen Hügel auf!"
        Andernachs produktivster Maulwurf
"Als römischer Soldat hätte ich bestimmt was gerissen!"
                        
© 2009-2020 Wolfgang Broemser
Wichtiger Handels- und Flottenstützpunkt

Die Landesarchäologen bilanzieren: "Die neu gewonnenen Erkenntnisse lassen auf eine
große Bedeutung der Stadt Andernach in römischer Zeit nicht nur als Verladeort für
Tuff- und Basaltsteine schließen, sondern auch als Flottenstützpunkt, der bei der
Versorgung  der Limestruppen und wahrscheinlich auch der Rheinflotte erhebliche
Bedeutung besaß."

Für Grabungsleiter Frank Brüninghaus liegt unter Andernachs Pflaster eventuell noch
mehr verborgen: "Wenn wir die Möglichkeit haben, später noch tiefer zu graben, werden
wir vielleicht sogar auf keltische Funde stoßen."

Nach dem Ende der Arbeiten sollen die bedeutendsten Funde überbaut und für die
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Stadtmuseum präsentiert jetzt schon
kleinere Grabungsfunde wie Keramik, Geräte aus Knochen und Metall (Kämme, Nadeln
etc.), Münzen, einen Goldring sowie Zierbleche römischer Militärgürtel. Die Archäologen
fanden über 1000 römische Münzen. Damit lässt Andernach den Koblenzer Münzplatz
(500 römische Münzen) locker hinter sich, ist aber nicht zu vergleichen mit Trier, wo
1993 gar ein Schatz von 2650 Aurei entdeckt wurde.
*) Der junge Jan Vormann machte international auf sich aufmerksam, indem er alte, vom Verfall   
bedrohte Bauwerke mit Legosteinen ausbesserte. In Berlin "kittete" er u. a. Einschusslöcher aus dem
Zweiten Weltkrieg mit den Steinen. Herr Wowereit, der Regierende, ernannte ihn daraufhin zum Ehren-
bürger der Hauptstadt. Und das ist auch gut so (oder, berlinerischer formuliert, "echt dufte, wa?").
Gleich nach dem Abriss der Malzfabrik machten sich Archäologen des Landes Rheinland-
Pfalz über das Gelände her und buddelten Bemerkenswertes aus: vorzüglich erhaltene
Siedlungsreste des römischen Andernach. Bald nach Caesars Rheinübergang 55 v. Chr.
wurden die linksrheinischen Lande ein Teil des Imperium Romanum und blieben es bis
zirka 450 n. Chr. Andernach war in dieser Zeit ein bedeutender Handelsplatz und
zeitweise ein Kastell, in dem römische Truppen die Rheingrenze sicherten.

Die Archäologen konnten nun auf einer Länge von 60 Metern eine zwei Meter mächtige
Kastellmauer vom Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. freilegen. Sie lag unmittelbar vor 
dem antiken Hafenbecken. Funde aus diesem Becken belegen, dass ein Rheinarm schon
seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. als Hafen und Schiffslände genutzt wurde.
Töpferofen und Badetherme

Außerdem entdeckten die Forscher gut erhaltene Teile zweier Gebäude des 1. bis 2.
Jahrhunderts n. Chr. Sie lagen beiderseits eines Weges und gehörten zu einer dichten
Bebauung im Uferbereich vor dem Hafen. Zu erkennen sind noch die Eingänge der
Häuser mit Bodenplatten, Trittstufen und Türangelsteinen der ehemaligen Torflügel.     
Ein Töpferofen in einem Haus deutet auf einen Handwerksbetrieb hin. Die Reste einer
später entstandenen großen Badeanlage ziehen sich über eine Länge von 35 Metern hin.
Sie umfasste mindestens fünf Räume, die mit Wannen und teilweise Fußbodenheizung
ausgestattet waren. Im 4. Jahrhundert, so die Erkenntnisse der Archäologen, wurde das
Bad weitgehend niedergelegt und ein großer Speicher für Getreide errichtet. Von ihm
künden noch elf massive rechteckige Pfeilerfundamente.
Kastellmauer schützte vor Germanen

Der Speicher diente zur Versorgung der Soldaten, die nach dem Fall des Limes das Kastell
gegen die Germanen verteidigen mussten. Zu diesem Zweck erbauten die Römer die  
jetzt freigelegte Kastellmauer aus Bruchsteinen und Tuffquadern, die von West nach Ost
über das Gelände der ehemaligen Mälzerei verläuft. Sie ist eine der letzten großen Bauten
aus römischer Zeit. Auf den Resten der römischen wurde später die mittelalterliche
Stadtmauer errichtet (diese überdauerte komplett bis zum ersten Drittel des 19. Jahr-
hunderts; William Turner malte noch ihren rheinseitigen Teil).
limesstrasse.de
museum-roemervilla.de
strassen-der-roemer.eu
saalburgmuseum.de
apx.lvr.de
colonia3d.de