Du bist CO2!  
"Dass Sie das alles so toll geschafft haben, dafür habe ich ein großes Stück Ehrfurcht." Angela Merkel
Kaum ist man ein Jahr Bundestagsabgeordnete, schon hat man die - amtsmüde? -
Kanzlerin am Hals: Im August empfing Frau Heil Frau Merkel in ihrem Wahlkreis und
stellte der Regierungschefin das von ihr entworfene Geysirzentrum vor (Bild). Ein Modell
des Zentrums haltend soll der hohe Besuch geraunt haben: "Wäre ich doch Physikerin
geblieben, dann könnte ich jetzt bei euch als wissenschaftlicher Berater anheuern..."
"Träume sind nicht nur spannende Produkte unserer Phantasie, sondern auch erstaunlich präzise Ratgeber, wenn man sich ihnen richtig nähert." Jürgen vom Scheidt  
Es gab Zweifel, ob wir mit so einem klaren, sich überhaupt nicht anbie-dernden Entwurf in Andernach einen Wettbewerb gewinnen könnten. Die Zweifel haben aber zum Glück nicht dazu geführt, einem anderen Entwurf den Vorzug zu geben.
Die Architektin Mechthild Heil
"Verstehe den Geysir-Hype nicht. Der Sprudel macht mich nur nass, nicht an. Was mich nicht anmacht, kann zumachen!"
© 2009-2016 Wolfgang Broemser
"Hallo, Frau Heil, die Fassade von Ihrem Geysirhaus ist nicht famos, sondern total vermoost...!"
Die interaktiven Exponate sind      Unikate, die es nur im Erlebniszentrum gibt. Das ist nicht selbstverständlich. In vielen Wissenschafts-Centern sind die gleichen Sachen zu finden. Da hat sich Andernach schon ins Zeug gelegt!
Marco Unterhaslberger von Art Department Babelsberg, dem Aus-
stellungsmacher
>> Nachtrag: Träume einer Kanzlerin
Foto: CDU-Stadtverband
Blick zum Namedyer Werth Federzeichnung der 15-jährigen Lore Silbereisen von 1922
Wie ein Ufo im Schrebergarten wirkt das neue Geysir-Erlebniszentrum an der Konrad-
Adenauer-Allee (die nach ihrer großzügigen Sanierung von ganz Kecken schon mit der
Croisette verglichen wird). Der fast fensterlose Baukörper des Zentrums soll an von
Wasser gespaltenes Vulkangestein erinnern. In seinem Innern macht eine interaktive
Ausstellung spielerisch mit den Grundlagen des Andernacher Kaltwasser-Geysirs
vertraut. Der Besucher besteigt einen Fahrstuhl und verliert erst einmal die Orien-
tierung: Es wird ihm vorgegaukelt, es gehe 4000 Meter tief in eine mit Magma gefüllte
Kammer - dabei fährt er in den zweiten Stock! Warm wird´s auch noch - Illusion als
Erkenntnis-Katalysator!

Der Mensch im Blasenrausch

Den roten Faden bildet Kohlendioxid, das aus dem brodelnden Magma austritt und auf
dem Weg nach oben auf Grundwasser trifft. Mit ihm zusammen strebt es zur
Erdoberfläche - und der Mensch strebt mit ihm. Durch Sandsäcke muss er sich den
Weg bahnen wie das Kohlendioxid durch den Schiefer. In einem "Blasenrauschraum"
wird er zu einem Molekül unter Molekülen. Er erklimmt steile Treppen, hinter deren
Wänden Grundwasser gluckert. In Plexiglassäulen darf er Mini-Geysire erzeugen,
indem er Wasser mit Kohlendioxid nach oben pumpt. Wieder "über der Erde" blickt
der Besucher von einem Dachsteg aus in Richtung Namedyer Werth, dorthin, wo die
Fontäne sprudelt. Das Schiff bringt ihn in einer zehnminütigen Fahrt zur Halbinsel -  
auf die Geysir-Theorie folgt die Geysir-Liveshow. 
Ein Haus aus zersägten Gesteinsblöcken

Das inklusive Einrichtung fünf Millionen Euro teure Geysirzentrum war vor und
während der zweijährigen Bauzeit heftig umstritten. Nach langer Verpuppung - der
frostige Winter hatte die Fertigstellung  verzögert - entsprang dann aber ein faszi-
nierender Schmetterling zeitgenössischer Architektur. Der skulpturale Bau mit seiner
Tuffsteinfassade und Basaltverkleidung im Sockelbereich ist zunächst ein optischer
Schock. Schroff und kahl erhebt er sich, scheint in seiner Umgebung ein Fremdkörper
zu sein.

Die von der Macht des Wassers - symbolisiert durch die blauen Fenster - zersägten
Gesteinsblöcke drohen auseinanderzufallen, werden von der Architektur nur mühsam
zusammengehalten. Der größere, abgespaltene Teil des Gebäudes ist quasi "aufge-
bockt", ruht auf einem Keil, der die Eingangszone markiert. "Der Besucher spürt, dass
er unter den Stein, unter einen Felsvorsprung in die Erde hineingeht, dem Ursprung des
Geysirs entgegen" (die Architektin Mechthild Heil). Der kantige Block ist also ein
Spiegelbild der heimatlichen Landschaft, der die Umgebung erklärt. Mit seiner Fassade
aus Vulkangestein erinnert er daran, auf welchem Grund die Nachbarhäuser stehen,
und woraus die Nachbarhäuser, zumindest teilweise, gemacht sind.
Fast zu spektakulär für die Provinz

Solch ein Gebäude ist für die Provinz eine Sensation. Zum zweiten Mal, nach dem Runden
Turm im 15. Jahrhundert, haben die Stadt und der Rat ein Stück Baukunst von über-
regionaler Bedeutung zugelassen. Es zeigt exemplarisch, wie sehr das Nicht-Gefällige
gefallen kann. Das Andernacher Architekturbüro Rumpf, erfahren im Bau öffentlicher
Einrichtungen - nach seinen Plänen entstand schon das neue Rathaus -, ist hier über sich
selbst hinaus gewachsen. Man wird wehmütig bei dem Gedanken, dass die Projektleiterin
und CDU-Stadträtin Heil bei der Bundestagswahl mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit den Sprung ins Parlament schaffen wird. Abgeordnete hat Deutschland   
eher zu viel, von guten Architekten - und guten Maurern - kann es nie genug haben!

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