Du bist CO2!  
"Dass Sie das alles so toll geschafft haben, dafür habe ich ein großes Stück Ehrfurcht." Angela Merkel
Kaum ist man ein Jahr Bundestagsabgeordnete, schon hat man die - amtsmüde? -
Kanzlerin am Hals: Im August empfing Frau Heil Frau Merkel in ihrem Wahlkreis und
stellte der Regierungschefin das von ihr entworfene Geysirzentrum vor (Bild). Ein Modell
des Zentrums haltend soll der hohe Besuch geraunt haben: "Wäre ich doch Physikerin
geblieben, dann könnte ich jetzt bei euch als wissenschaftlicher Berater anheuern..."
"Träume sind nicht nur spannende Produkte unserer Phantasie, sondern auch erstaunlich präzise Ratgeber, wenn man sich ihnen richtig nähert." Jürgen vom Scheidt  
"Es gab Zweifel, ob wir mit so einem klaren, sich überhaupt nicht anbie-dernden Entwurf in Andernach einen Wettbewerb gewinnen könnten. Die Zweifel haben aber zum Glück nicht dazu geführt, einem anderen Entwurf den Vorzug zu geben."
Die Architektin Mechthild Heil
"Verstehe den Geysir-Hype nicht. Der Sprudel macht mich nur nass, nicht an. Was mich nicht anmacht, kann zumachen!"
© 2009-2018 Wolfgang Broemser
"Hallo, Frau Heil, die Fassade von Ihrem Geysirhaus ist   nicht famos, sondern total vermoost!"
>> Nachtrag: Träume einer Kanzlerin
Foto: CDU-Stadtverband
Blick zum Namedyer Werth Federzeichnung der 15-jährigen Lore Silbereisen von 1922
Wie ein Ufo im Schrebergarten wirkt das neue Geysir-Erlebniszentrum an der groß-
zügig sanierten Konrad-Adenauer-Allee (die ganz Kecke schon mit der Croisette in
Cannes vergleichen). Der fast fensterlose Baukörper soll an von Wasser gespaltenes
Vulkangestein erinnern. In seinem Innern macht eine interaktive Ausstellung spielerisch
mit den Grundlagen des Andernacher Kaltwasser-Geysirs vertraut. Der Besucher be-
steigt einen Fahrstuhl und verliert erst einmal die Orientierung: Ihm wird vorgegaukelt,
es gehe 4000 Meter tief in eine mit Magma gefüllte Kammer - dabei fährt er in den
zweiten Stock! Warm wird´s auch noch - Illusion dient als Erkenntnisinstrument!

Der Mensch im Blasenrausch

Den roten Faden bildet Kohlendioxid, das aus dem brodelnden Magma austritt und   
auf dem Weg nach oben auf Grundwasser trifft. Mit ihm zusammen strebt es zur
Erdoberfläche - und der Mensch strebt mit ihm. Durch Sandsäcke muss er sich den
Weg bahnen wie das Kohlendioxid durch den Schiefer. In einem "Blasenrauschraum"
wird er zu einem Molekül unter Molekülen. Er erklimmt steile Treppen, hinter deren
Wänden Grundwasser gluckert. In Plexiglassäulen darf er Mini-Geysire erzeugen,
indem er Wasser mit Kohlendioxid nach oben pumpt. "Über der Erde" kann er auf
einem Skywalk, der aus dem Dach des Zentrums ragt, in Richtung Namedyer Werth
blicken, dorthin, wo die Fontäne sprudelt. Das Schiff bringt ihn dann in einer zehn-
minütigen Fahrt zur Halbinsel - auf die Geysir-Theorie folgt die Geysir-Liveshow. 
Ein Architektur-Schmetterling

Das inklusive Einrichtung fünf Millionen Euro teure Geysirzentrum war vor und
während der zweijährigen Bauzeit heftig umstritten. Nach langer Verpuppung - der
frostige Winter hatte die Fertigstellung  verzögert - entsprang dann aber ein faszi-
nierender Schmetterling zeitgenössischer Architektur. Der skulpturale Bau mit seiner
Tuffsteinfassade und Basaltverkleidung im Sockelbereich ist zunächst ein optischer
Schock. Schroff und kahl erhebt er sich, scheint in seiner Umgebung ein Fremdkörper
zu sein.

Spiegelbild der Umgebung

Die von der Macht des Wassers - symbolisiert durch die blauen Fenster - zersägten
Gesteinsblöcke drohen auseinanderzufallen, werden von der Architektur nur mühsam
zusammengehalten. Der größere, abgespaltene Teil des Gebäudes ist quasi aufgebockt,
ruht auf einem Keil, der die Eingangszone markiert. "Der Besucher spürt, dass er unter
den Stein, unter einen Felsvorsprung in die Erde hineingeht, dem Ursprung des Geysirs
entgegen" (Mechthild Heil). Der kantige Block ist also ein Spiegel der heimatlichen
Landschaft, der auf die geologische Eigenart der vulkanischen Osteifel verweist. Das
Fassadenmaterial des Zentrums findet sich bei vielen Häusern Andernachs und der
benachbarten Pellenz-Gemeinden wieder.
Fast zu spektakulär für die Provinz

Solch ein Gebäude ist für die Provinz eine Sensation. Zum zweiten Mal, nach dem Runden
Turm im 15. Jahrhundert, haben die Stadt und der Rat ein Stück Baukunst von über-
regionaler Bedeutung zugelassen. Das Andernacher Architekturbüro Rumpf, erfahren im
Bau öffentlicher Einrichtungen - nach seinen Plänen entstand schon das neue Rathaus -,
ist hier über sich selbst hinaus gewachsen. Man wird wehmütig bei dem Gedanken, dass
die Projektleiterin und CDU-Stadträtin Heil bei der nächsten Bundestagswahl mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ins Parlament einziehen wird. Abgeordnete  
hat Deutschland eher zu viel, von guten Architekten kann es nie genug haben.

"Die interaktiven Exponate sind Uni- kate, die es nur im Erlebniszentrum   gibt. Das ist nicht selbstverständlich.     In vielen Wissenschafts-Centern sind   die gleichen Sachen zu finden. Da hat sich Andernach schon ins Zeug gelegt!"
Marco Unterhaslberger von Art Department Babelsberg, dem Aus-
stellungsmacher