"Die Einzigartigkeit des Geysirs kann ein wesentlicher Vorteil für die Vermarktung sein, ist aber auch Verpflichtung, mit dieser Attraktion nachhaltig und umweltverträglich umzugehen."

"Andernach macht ja gaanz große Sprünge...!"
"Der Reiz des Neuen verfliegt schnell - es sei denn, das Neue wird ständig neu erfunden."
Hoch, höher, Andernach!
"Die höchste Verkörperung der Leichtigkeit, in welche die Atmosphäre des Stromes das Leben zu verwandeln vermag, ist Namedy." Helmut Domke

Wenn aus einer Sprudelflasche das Wasser spritzt, interessiert das keinen, wenn es   
aus einem Brunnenloch sprudelt, kommen Zehntausende. Genau das passiert auf dem
Namedyer Werth, einer Halbinsel wenige Kilometer rheinabwärts von Andernach.
Etwa alle 120 Minuten schießt hier eine Fontäne je nach Windverhältnissen bis zu       
60 Meter hoch aus dem Boden.

Künstlich provozierter Ausbruch

Der höchste Kaltwasser-Geysir der Welt verdankt sich dem vulkanisch aktiven Unter-
grund der Osteifel. Aus einer Magmakammer entsteigt Kohlendioxid, dringt durch Risse
im Schiefer nach oben und löst sich wegen des Drucks in tiefen Grundwasserschichten.
Kohlendioxidhaltiges Grundwasser füllt einen auf dem Werth gebohrten 350 Meter
tiefen Brunnen bis zum Rand auf. In der Wassersäule steigen CO2-Blasen empor, die
mit abnehmendem Druck in der Säule immer größer werden. Dadurch treiben sie das
Wasser aus dem (geöffneten) Brunnen; es kommt zu einer Eruption, die sechs bis acht
Minuten anhält, so lange, bis der Brunnen entleert ist. Danach strömt der Anlage erneut
Grundwasser zu, und der Vorgang wiederholt sich - viermal am Tag. Entsprechend oft
landet das Geysir-Schiff neue Besucher an. Abends (und im Winter) wird der Brunnen
mit einem Absperrschieber verschlossen, damit er nicht mehr springen kann und vor
Vandalismus geschützt ist. Das Gas entweicht dann direkt aus dem Boden in die
Atmosphäre.
© 2009-2018 Wolfgang Broemser
Christian Heller, Geschäftsführer der gemeinnützigen Geysir.Info GmbH
Zahlen, die vor Freude übersprudeln lassen *
_Schon in der ersten kompletten Saison strömten 125.000 Besucher zum Geysir.      
Danach pendelte sich die Zahl bei 115.000 ein.
_Laut Umfrage sind 70 Prozent der Gäste mit dem Eintrittspreis und 94 Prozent         
mit dem Dreierpacket (Erlebniszentrum, Schifffahrt, Geysir) einverstanden.
_Die meisten Besucher kommen auf persönliche Empfehlung.
_59 Prozent besuchen nach dem Geysir auch die Andernacher Innenstadt.
_35 Prozent kommen aus Rheinland-Pfalz, ebenso viele aus NRW, der Rest aus den
übrigen Bundesländern und dem Ausland.
_Allerdings sind nur zehn Prozent der Gäste "Wiederholungstäter".
                                                                                               Quelle: Geysir.info gGmbH
*) Der Geysir-Tourismus hat sich mittlerweile als Musterfall für sanften Tourismus     
entpuppt, der weder der Natur noch der Stadt Schaden zufügt. Es wurde kein Massen-
tourismus generiert, sondern ein klug kanalisierter Tourismus, der vornehmlich bildungs-   
und zahlungswillige Gäste anlockt. Der Geysir ist in ein Infotainment-Programm eingebettet,
welches das Naturverständnis fördert. Er springt nur viermal am Tag und kann nur per Schiff
besucht werden. Der Geysir-Tourismus schafft kein hektisches Drachenfels-und-Deutsches-
Eck-und-Drosselgassen-Event-Spektakel. Er aktiviert nicht die an ADHS leidende Homo-
sapiens-Unterart des gemeinen Touristen, sondern den Marco Polo des Alltags, den
Erforscher und Erkunder der eigenen Region und des eigenen Landes.
Das sollte die Andernacher Stadtspitze bedenken, wenn es um die neue Erschließung
des Krahnenbergs, des Hausbergs der Stadt, geht. Ein Schrägaufzug oder gar eine
Seilbahn sind stets ein Vehikel für Massentourismus. Sie sind teuer und rentieren sich  
nur, wenn sie Massen transportieren. Touristenmassen würden aber den Krahnenberg
erdrücken; er darf und er kann nicht zu einem zweiten Drachenfels oder einer links-
rheinischen Loreley mutieren. Er sollte für die Einheimischen wieder ein attraktives
Ausflugsziel werden; dann darf sich auch wieder der eine oder andere Ortsfremde    
unter die Ausflügler mischen. Keep things small and charming!
"Niemand hat die Absicht, eine
Pumpe einzusetzen."

Ein ranghohes Mitglied der
Stadtverwaltung, das garantiert
kein Sächsisch spricht, zu
Gerüchten, dass der Geysir
nicht von selbst springt, son-
dern durch eine versteckte
Pumpe künstlich erzeugt wird.
(Hinter dieser unverschämten 
Desinformation können nur
rechtsrheinische Trolle, sprich:
Personen aus Neuwied oder
Leutesdorf, stecken. Oder
russische Hacker, die sich an
den Rhein verirrt haben.)
Dafür reaktivierte man 2001 den Sprudel mit einer neuen Bohrung, was live in die
Stadthalle übertragen wurde und bei Älteren für feuchte Augen sorgte. Weil das  
Gebiet aber inzwischen unter Naturschutz stand, legte sich der BUND quer. Die
Naturschützer lenkten erst ein, als die Stadt Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für    
den Eingriff in die Halbinsel zusagte. Seitdem darf der Geysir wieder große Sprünge
machen. Wegen der geschützten Tier- und Pflanzenarten auf dem Werth ist die  
Anreise aber nur per Schiff möglich.
Mehr als Selters, mehr als Sekt

Seit der Eröffnung des Geysir-Infozentrums kann das Naturspektakel von März bis
Oktober täglich erlebt werden. Es ist eigentlich nur Selters, sprich Wasser, was die 
Erde ausspuckt. Aber weil sie das so vehement macht wie sonst nirgends, ist das Ganze
wie Sekt. Oder gar Champagner. Das belegt die Aufnahme des Andernacher Sprudels 
ins Guinness-Buch der Rekorde. Oder die Verblüffung, die die Kunde vom Geysir auf
der ITB in Berlin auslöste.

Die Stadt rechnete anfangs mit 100.000 Besuchern pro Jahr (die Zahl wurde seither
übertroffen). Ziel war und ist es, nicht nur den Geysir sprudeln zu lassen, sondern   
auch die Touristen - vor Konsumlust! Gastronomie und Handel sollen von dem neuen
Gästestrom profitieren. Beim eigens errichteten Infozentrum konnte die Stadt dank
Landeszuschüssen in die Vollen gehen: "Europas größte Experten" (so der Oberbürger-
meister) lieferten die Ausstellungskonzeption und Exponate. Für einen Weltmeister 
wie den höchsten Kaltwasser-Sprudel kommen schließlich nur - und mindestens -      
Europameister infrage!
Frühe Touristen, Rote Falken

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Sprudel erstmals erbohrt. Eine Privat-
firma nutzte ihn zur Gewinnung von Kohlensäure und Mineralwasser. Bald lockte das      
künstlich ausgelöste, aber natürlich ablaufende Schauspiel erste Touristen an. In der
Endzeit der Weimarer Republik hielten die Roten Falken auf dem Werth ihre Zelt-
lager ab. An einem beteiligte sich der junge Willy Brandt, der darüber in seinen
Erinnerungen Links und frei berichtet.

Dornröschen in der Tiefe

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Brunnen durch spielende Kinder und
Besatzungssoldaten erheblich beschädigt. Daher erbohrte die Firma Deilmann in den
1950er Jahren eine neue CO2-Quelle. Doch wegen des geplanten Neubaus einer
Bundesstraße mitten durch das Werth wurde das Bohrloch 1957 verschlossen.        
1990 verkaufte Deilmann das Gelände an die Stadt Andernach. Diese beschloss um
die Jahrtausendwende, das Dornröschen in der Tiefe wieder wach zu küssen und es
als touristischen Leuchtturm professionell zu vermarkten.