*) Beispiel für ein 4-Sterne-Wellnesshotel
am Mittelrhein: das Schlosshotel Rheinfels
oberhalb von St. Goar. Das vielfach ausgezeich-
nete Haus vis-à-vis der Loreley hat allerdings nur
63 Zimmer und einen relativ kleinen Wellness-
bereich. Außerdem fehlt dem Höhenhotel die
direkte Verbindung zur Stadt und zum Rhein.
Dasselbe gilt auch für das Golf- und Wellness- 
hotel Jakobsberg des Haribo-Chefs Hans Riegel
oberhalb von Boppard.
"In einer Welt des Wandels
bleib ich mir treu: Ich werde
immer wieder nüchtern."
"Das ist in Andernach auch
nicht schwer - hier wandelt
sich ja nix!"
Seit dem Abriss der Malzfabrik Weissheimer ist in der sonst so beschaulichen 
Bäckerjungenstadt ein permanentes Schreien zu vernehmen: Es ist die riesige Brache
am Rheinufer, zwischen Kirch- und Schaarstraße, die hemmungslos nach einer
neuen Nutzung schreit - bis dato jedoch vergeblich. Denn die Stadt tut sich mit der
Suche nach einem Investor schwer. Dabei ist nicht nur für Stadtrat Hans Schwarz-
Heintges von der Freien Wählergruppe evident: "Eine Stadt, deren Bevölkerung
abnimmt, muss etwas dagegen unternehmen, muss Lust auf sich wecken. Für das
ehemalige Weissheimer-Gelände ist eine sinnvolle Verwendung absolut geboten."

Die Iren und ein Bayer kamen - und gingen wieder

Zunächst schien alles gut anzufangen. Nach einer europaweiten Ausschreibung zur
Bebauung des beräumten Areals entschied sich die Stadt unter zwei Bewerbern für
eine irische Investorengruppe. Diese wollte ein Vier-Sterne-Hotel mit Wellness-
Bereich und Tiefgarage sowie Wohnhäuser an der Hochstraße bauen. Das Hotel,     
so die Planung, sollte spätestens zur Bundesgartenschau in Koblenz fertig sein. Mit
der Lindner-Gruppe gab es sogar schon einen potentiellen Betreiber - obwohl die
Kettenhotellerie  sonst einen Bogen um kleine Städte macht. Doch dann sagte der
irische Investor plötzlich Goodbye, angeblich wegen der Finanzkrise. Als nächstes
erschien ein bayrischer Immobilienentwickler auf dem Plan, der bisher noch nichts
entwickelt hatte. Er schlug der Stadt ein Gesundheitshotel mit dem unschlagbar antik
klingenden Namen "Forum Romanum" vor. Die auf dem Areal freigelegten römi-
schen Ausgrabungsfunde sollten in den Komplex integriert werden. Ein Münchner
Architekt zeichnete Pläne, die im Stadtrat für Furore sorgten. Aber als die Stadt nach
Finanzierungsunterlagen fragte, bekam die Lederhose kalte Füße und sprang ab.

Neue Kunden braucht die Stadt!

Ob ein First Class Hotel ein Gewinn für Andernach wäre, bezweifeln manche, vor
allem natürlich die einheimischen Hoteliers. Der Oberbürgermeister und die
Mehrheit im Stadtrat sehen in dem Projekt dagegen ein Vehikel, um eine Klientel
nach Andernach zu locken, die es hier bisher nicht gab, von der auch der ein-
heimische Handel profitieren könnte. Der Betrieb eines hochwertigen Hotels ist aber
langfristig nur profitabel, wenn mehrere Zielgruppen - Touristen, Geschäftsreisende,
Tagungsteilnehmer - angesprochen werden, mithin eine ganzjährige Auslastung
garantiert ist. Dann müsste ein in die Stadt eingebettetes Hotel eigentlich viel besser
funktionieren als die isolierten Höhenhotels, wie es sie anderswo im Mittelrheintal
gibt.* Und die alteingesessenen Betriebe wären nicht gefährdet, weil der Neuzugang
in einer anderen Liga spielte.

Andernach hat Kreativität und jede Menge Uffschnitt...

Der Anblick des von Archäologen umgepflügten "Ackers" zwischen Rhein und Hoch-
straße geht inzwischen auch dem gutmütigsten Andernacher auf die Nerven. Hoch-
klassige Hotels wirken städtebaulich oft Wunder, werten ehemalige Brachen auf,
weil  sie, im Gegensatz zu Einkaufszentren oder Tankstellen, auch architektonisch
gefallen müssen. Mit einem Wellness- und Kongresshotel direkt am Rhein - statt auf
einer Anhöhe über dem Rhein - könnte Andernach den entscheidenden Tigersprung
machen und Mitbewerber abhängen. Die Rückständigkeit von Hotellerie und Gastro-
nomie am Mittelrhein wird oft beklagt. Zur Illustration ein Leserbrief aus der Rhein-
Zeitung, der sich, wohlgemerkt, auf einen anderen Ort bezieht:



Der aufgeschobene Tigersprung oder: Warum hat keiner Lust auf uns? 

"Lieber Leser, hoffentlich sind Sie ein Freund des Konjunktivs!" Unser Webmaster
Andernacher Bürger installierten
diese gigantischen Reflektor-
schirme auf den Höhen von
Leutesdorf, um die Sonne auf die
linksrheinische Seite umzulenken und
am Krahnenberg Wein anbauen
zu können. Inzwischen wurden die
Schirme aber von Leutesdorfern (?)
wieder entfernt. Seitdem hängt der
Haussegen zwischen den Nachbar-
gemeinden schief (u. a. Ausschluss
aller Andernacher vom Leutesdorfer
Winzerfest).
Kampf um Ressourcen-Gerechtigkeit!
© 2009-2016 Wolfgang Broemser
"Was ich vermisse, ist Kreativität im Welterbetal. Da erlebe ich, dass hungrig herum laufende Touristen in
einer Bäckerei nach belegten Brötchen fragen und abgespeist werden mit der Antwort: Uffschnitt ist aus, 
statt dass jemand ins paar Meter entfernte Lebensmittelgeschäft geht und Uffschnitt holt... Ödnis, kein
ansprechendes Ambiente. Touristen irren herum mit der Frage in den Augen: Ja, wo ist sie denn, die Schön-
heit? Das kulinarische Angebot versteckt sich gut. Kleine Gerichte und Snacks im Zentrum? Uffschnitt ist aus!"
...liegt aber im toten Winkel

O je - in Andernach gibt´s Uffschnitt in Hülle und Fülle! Die Schönheit muss man
auch nicht unterm Gullydeckel suchen. Doch die Stadt liegt - trotz Geysir - im toten
Winkel des Rheintourismus, weder zwischen Koblenz und Bingen noch am Drachen-
fels, und auch der Linienverkehr der "Köln-Düsseldorfer" fährt sie neuerdings nicht
mehr an. Auswärtige Investoren bevorzugen größere, bekanntere Orte, weil sie dort
mehr Rendite wittern. Und einheimische Unternehmer können ein Hotelprojekt mit
Baukosten im zweistelligen Millionenbereich wohl nicht schultern. Bisher also steht
Andernachs neues "Römer Areal" trotz Fünf-Sterne-Lage unter keinem guten Stern...